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Auch wenn fast jeder eine Gleichberechtigung von Frauen* und Männern* bejaht, kann in Wirklichkeit weder Chancengleichheit, noch gleiche Achtung und Respekt gegenüber Frauen und nichtbinären Menschen festgestellt werden. Diskriminierende Erfahrungen durch männergeprägte Machtstrukturen sind alltäglich. Es zeigt sich dadurch, dass Feminismus noch lange nicht irrelevant geworden ist, obwohl doch hin und wieder die gegenteilige Ansicht vertreten wird. Scharf zu kritisieren ist nicht nur der ‚gender pay gap‘ – die geringere Bezahlung von Frauen für die gleiche Arbeitsleistung wie sie von männlichen Kollegen erbracht wird, sondern auch die Abwertung von häufig so genannten ‚Frauenberufen‘. Gemeint sind vorwiegend Pflege- oder Betreuungstätigkeiten, wie das klassische Beispiel der Krankenschwester darstellt. Aber auch bezahlte und unbezahlte Hausarbeit bleibt noch immer größtenteils an Frauen oder meistens migrantischen Hausarbeiterinnen hängen. Als Rechtfertigung dient der Verweis auf eine vermeintlich geringere Leistungsfähigkeit von Frauen, beruhend auf als ‚schwach‘ oder ‚minderwertig‘ konnotierten Eigenschaften, wie starke, wechselnde Emotionalität, Mitgefühl, bis hin zu Willensschwäche, die mit der Kategorie ‚Frau‘ oder ‚weiblich‘ assoziiert werden. Problematisch sind jedoch nicht nur die genannten ökonomischen Ungleichbehandlungen, sondern auch massive Eingriffe in die freie Selbstbestimmung in Bezug auf Aussehen und Charaktereigenschaften. Nichteinhaltung von geschlechtertypischen Idealen wird häufig mit starkem sozialen Druck sanktioniert, worunter jeder Mensch zu leiden hat, der sich nicht in äußerlicher Erscheinung und Verhalten einem etablierten Geschlechter-„Idealtyp“ anpasst. Ein weiterer Aspekt der Fremdbestimmung ist die Frage der legalen Möglichkeit für einen Schwangerschaftsabbruch, die in den meisten Ländern, so auch in Deutschland, auf rechtlicher Ebene eingeschränkt oder sogar völlig unmöglich gemacht wird. Vor allem durch letzteres wird den Betroffenen durch staatliche Sanktionsgewalt ein Großteil der freien Verfügung über den eigenen Körper genommen. Physische Unterdrückung findet zudem alltäglich statt: Die Perspektive auf das weibliche Geschlecht als reines Sexualobjekt und hassvolle Ablehnung einer bestimmten sexuellen Identität führen häufig zu sexueller Belästigung und Gewalt. Die Schuldfrage wird dabei nicht selten auf das Opfer verschoben. Auch Partnerschaftsgewalt trifft immer noch größtenteils Frauen; jedes Jahr werden alleine in Deutschland etwa 350 Frauen von ihren patriarchal motivierten, ehemaligen oder aktuellen Partnern umgebracht. An der Finanzierung von Frauenhäusern, oft der letzte Schutzraum für viele Betroffene, wird jedoch erheblich gespart. Die Erfahrungen von Gewalt und Diskriminierung gehören generell zum Alltag von vielen marginalisierten Gruppen in Deutschland, wie älteren Menschen; Frauen; lesbischen, schwulen und trans* Frauen und Männern; Menschen, die Behinderungen erleben und/oder Rassismuserfahrungen ausgesetzt sind; Menschen mit chronischen Erkrankungen; obdachlosen Menschen. Zudem wirken diese Erfahrungen von Rassismen, Sexismen, Homophobie, Alters-Feindlichkeiten, Klassismen, Behinderungen u.a. in einer komplexen, verflochtenen bzw. verschmolzenen Art und Weise zusammen. Um Widerstand gegen derartige Strukturen zu leisten – seien es ökonomische oder soziale – haben sich Ende 2017 Vertreter*innen hochschulnaher Gruppen zum Frauen*kampftags-Bündnis [Verweis auf Fußnote 1] Bamberg zusammengeschlossen, um auch in unserer Stadt ein Bewusstsein für die Relevanz von Feminismus zu schaffen. Wir sind der Ansicht: Geschlechterungleichheit betrifft uns alle; es geht um die grundsätzliche Frage, ob wir in einer Gesellschaft leben möchten, in der Menschen nach willkürlich ausgewählten Kriterien benachteiligt, ausgegrenzt oder unterdrückt werden. Feminismus ist Teil einer Grundhaltung, die eine Beurteilung bestimmter Menschengruppen als ‚minderwertig‘ ablehnt. *Feminismus ist für alle da!* Um unseren Protest und unsere Kritik auf die Straße zu tragen möchten wir durch ein vielseitiges Programm in der Zeit vom 27.02. bis 10.03.2018 den Frauen*kampftag in Bamberg nutzen, um zunächst einen Diskurs über das Thema ‚Feminismus‘ anzuregen und zu überlegen, welche Möglichkeiten feministischen Engagements es in Bamberg auch in Zukunft geben kann. [Fußnote 1] „Was ist ein ‚Frauen*kampftag‘ und was bedeutet das Sternchen im Namen?“ – ‚Frauen*kampftag‘ ist eine andere Bezeichnung für den internationalen Frauentag. Dieser findet jedes Jahr am 8. März statt und wurde zum Gedenken an die sozialistische Frauenbewegung in der Weimarer Republik etabliert. Ziel war es damals die Gleichberechtigung von Frau und Mann, vor allem in Bezug auf das Wahlrecht, zu erkämpfen. Die Bedeutung eines Tages, der an einen aktiven Kampf für Menschenrechte erinnert, ist mit der Zeit – gerade auch durch ‚harmlosere‘ Bezeichnungen, wie ‚internationaler Frauentag‘ – zunehmend verloren gegangen. Um zu dem ursprünglichen Sinn zurückzukehren, finden nun schon seit einigen Jahren feministische Veranstaltungen am 8. März unter dem Namen ‚Frauen*kampftag‘ statt. Warum wir diesen Namen mit einem Sternchen verwenden, verweist darauf, dass wir mit unserem Engagement sowohl für Frauen, als auch andere Personengruppen einsetzen, die unter patriarchalen Strukturen leiden.

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Herzliche Einladung zu unserem famosen Literatur- Glühwein- Abend, des Frauen*kampftagsbündnisses. Für einen theoretischen Einstieg in der Vorbereitung auf den Frauen*kampftag (8. März) und zu unserem eigenen Genuss werden wir am 23. November um 20h im Balthasar einen Vorleseabend mit feministischer Literatur organisieren. Dazu heißt es: bringt eure eigenen Bücher, Texte, Artikel, die ihr Lust habt … Programm weiterlesen

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